Montag, 24. Oktober 2011

Politica y futbol

Hallo Blogeintrag Nr. 2!

Wie Ihr wisst, sind wir ja vor ca. 2 Wochen in Montevideo gestrandet, und wie! Montevideo war für uns:
  • als würde eine Autobahn direkt durch unser Zimmer führen (trotzdem haben wir in der ersten Nacht nach unserer Ankunft, also nach der Nacht im Bus, bis am Mittag geschlafen!). 
  • als wäre hier ein richtiges Künstlermekka (die jungen Leute laufen hier jedenfalls so rum, als hätten sie ein Atelier im Progr, also in Röhrchenjeans und mit Mütze, Vollbart etc.).  
  • wenn die Uferpromenade zu einem ausgedehnten Jogging einlädt (und zwar nicht nur uns). 
  • wenn ein süsslicher Duft, der auch in der Schweiz oft allgegenwärtig ist, in der Luft liegt (der kleinere Bruder von Johann scheint sich in Montevideo niedergelassen zu haben). 
  • wenn ca. 80 Prozent (vielleicht etwas übertrieben, aber nicht viel!) mit unter dem Arm eingeklemmtem Thermoskrug und Matebecher ihren Alltag bestreiten (d.h. einkaufen, mit Hund Gassi gehen, geschäftig tun, auto-, töff- und velofahren, wahrscheinlich auch bergsteigen, schwimmen etc.).
  • wenn in Montevideo im Rahmen der 200 Jahrfeier von Uruguay die ganze Stadtbevölkerung im Zentrum auf 5 verschiedenen Bühnen Konzerte meist südamerikanischer Musikgrössen (u.a. Gilberto Gil) und andere espectaculos, wie z.B. eine 20 Meter hohe goldene Marionette in der Form einer Frau, die über den Plaza Independencia durch die sicher 10‘000 Menschen wackelt, verfolgt und sich mit 1 litro Bierflaschen erfrischt (und natürlich mit mate, vgl. oben).
  • wenn wir in einer winzigen Bar mit 3 einheimischen Buchhändlern und dem französischen Betreiber (ein Exil-Anarchist, jedoch mit intellektuellem Touch und definitiv kein Reithallenpunk) bis in die frühen Morgenstunden chupitos (=Shots) trinken und über Fussball und Politik diskutieren. Der auch so schon nicht ganz einfach zu verstehende Dialekt am Rio de la Plata wird allerdings mit steigender Anzahl getrunkener chupitos mehr und mehr zu einem Brummen und Rauschen.
  • wenn der Busfahrer in ständigem Kontakt zu allen Fahrgästen steht, damit diese mit ihm "zusammenarbeiten", denn es wollen doch alle noch heute ihr Ziel erreichen: „Por favor colaboren muchachos y muchachas, sino nunca vamos a llegar a tres cruzes [die Endstation], por favor, adelante, hay gente que sube, muchachos y muchachas, por favor...“.
Festmahl im Bus


200 Jahrfeier
Schlüsselbrunnen
Hostel
Bevorzugter Sitzplatz von Vera
Irgendwie mussten wir das Loch in den Läden stopfen...
Autobahn by night
Agua caliente, jajajaja... (es war trotzdem warm)
Promenade
Altstadt
Plaza Independencia
Eisernes Training
Zumindest der Mond durchbrach einmal die Wolkendecke
Wo ist V?
Frau mit Mateausrüstung, stellvertretend für Millionen solcher Bilder
Nun, nach drei Tagen sind wir der Hektik und schlechten Luft entflohen. Ab an den Strand nach Punta del Diablo, relaxen, Sonne tanken und spörtlen war der Plan. Und damit ihr alle auch schön neidisch seid, hier ein paar Beweisfotos. Man beachte insbesondere Veras Eskim-ooutfit!

Auch in Uruguay gabs Unwetterschäden, nur stört es niemanden, es ist ja niemand da!
 


Hostel

"Nationalpark" (wir liefen, alle anderen fuhren einfach mit dem Auto/Töff/Töffli durch)
Flora oder Fauna?
Punta del Diablo

Irgendwo hinten sind die Nierli, habs verdrängt...
Kleidung nicht repräsentativ!
Gabs zu Hauf
Sommer!

Seba, Guada, Tio, Lola & Lelo (Hunde)
Mit etwas Zoom sieht man die Walflosse ganz gut
Ok, Sommer war es garantiert nicht, auch wenn beinahe auf allen Bildern die Sonne zu sehen ist. Trotzdem haben wir hier ganze 7 Tage "ausgehalten". Denn der frische Wind (=chronisches Frieren von Vera) und die Sintflut am ersten Tag wurden durch wunderschöne Spaziergänge an den Stränden und im nahe gelegenen Nationalpark, durch feines, selbst zubereitetes Essen, durch anstrengende Joggings, ruhigen und tiefen Schlaf und ein unglaublich angenehmes Hostel mehr als wettgemacht. Man bedenke: Punta del Diablo ist im Sommer völlig überlaufen (die Bevölkerungszahl wächst gemäss übereinstimmenden Angaben der wenigen Einheimischen, die wir getroffen haben, von ca. 1‘000 auf 35‘000 an und es braucht drei Polizisten, um den Verkehr zu lenken), den Rest des Jahres jedoch einfach nur leer, was für uns einen besonderen Reiz ausübte. Im Übrigen logierten wir in einem Hostel der besonderen Art: Es hat zwar normale Gästezimmer, allerdings wohnt das Betreiberpaar (ein 34 jähriger Uruguayer und eine 26 jährige Argentinierin) ebenfalls im Hostel. D.h. insbesondere, man teilt sich das Wohn- und Esszimmer sowie die Küche. Zudem gingen Freunde und Verwandte ein und aus. So lernten wir den abuelo und den tio kennen, die beide sehr viel Leben in die Bude brachten und wurden auch zum samstäglichen asado eingeladen (Beginn: 23:00!).

Für die Fortsetzung unseres Uruguaytrips wählten wir dann eine etwas aussergewöhnliche Route. Der Reiseführer versprach eine zauberhafte Landschaft, die kaum je ein Tourist zu Gesicht bekommt. Über Chuy, Treinta y Tres und Melo gings nach Tacuarembo (2 Übernachtungen in Treinta y Tres und Melo). Wohl dank der fehlenden touristischen Erschliessung trafen wir sehr authentische und unglaublich freundliche Orte und Menschen an. Ausländische Touristen sind hier wohl wirklich eher selten: In Tacuarembo wurden wir lachend gefragt, was zum Geier zwei Schweizer eigentlich hier suchen. Schliesslich wusste dann nach ca. 7 Minuten der gesamte Busbahnhof von Tacuarembo, dass wir auf der Suche nach einer Busverbindung sind, die nur zwei Mal pro Woche angeboten wird. Wir haben uns darauf hin entschlossen, nach einer Nacht nochmals für zwei Tage nach Montevideo zu fahren und haben auch gleich ein Zimmer reserviert (in einem anderen Hostel als beim ersten Mal, merci Fischi für den Tipp!). Es bleibt zu betonen, dass das landschaftliche Panorama der letzten drei Tage tatsächlich ein Juwel fürs Auge war!

Justus, Peter und Bob für zwei (merci Gri)













Sumpflandschaft (leider aus den Bus aufgenommen)
Gamblen im Park von Treinta y Tres (merci Fabienne und Beni)
Treinta y Tres (sehr einfallsreicher Ortsname...war aber muy linda!)
Auch aus dem Bus
Aus dem trockenen Bus (ca. 5 Min. danach sah man rein gar nichts mehr)
Hostel mit vielen kleinen Spielereien (Montevideo)
Abschliessend nun zu den Rätseln. Hier die Auflösung zum Letzen: Die wohl sinnloseste Investition in BA sind unseres Erachtens Abfallkübel. Es hat Haufen davon, sie sind jedoch alle leer und dies nicht, weil sie besonders häufig geleert würden, nein, sondern weil niemand Gebrauch davon macht und seinen Abfall irgendwo sonst entsorgt. Niemand konnte uns die für uns "richtige" Antwort liefern. Aber eure Ideen resp. Vorschläge waren alle sehr gut und kreativ. Wir sind (noch) gütig und geben allen einen Punkt.

Nun zum neuen Rätsel. In den letzten 3 Wochen sind uns bereits mehrere Missgeschicke unterlaufen. So z.B. zerstörte Wegi fast unsere Toilette, da er sich jeweils wie ein Walross, hinsetzte. Vera schaffte es dann später, den Spülkasten zu ruinieren. Oder Wegi liess sich beim asado seinen Teller mit dem gesamten Angebot füllen, darunter halt auch Blutwurst und Nieren (er hat jedoch alles rübis und stübis verputzt, Vera ist Zeuge!). Weiter wollten wir uns ein typisches Schweizergericht zubereiten, eine Rösti. Nur leider hatten wir nicht die angemessenen Pfannen und es endete im Desaster. Alles brannte an und der verkohlte Kartoffelmatsch landete im Abfall. Den Höhepunkt aller Missgeschicke leistete sich jedoch Vera, obwohl dank ihrer kriminellen Energie alles noch einmal glimpflich verlief. Wir möchten von Euch wissen, was genau vorgefallen ist. Hier einige Stichworte: Schlüssel, Bedürfnis nach Sicherheit, Handwerkergeschäft und murcksmurcksmurcks...

Bis bald, wir freuen uns immer sehr über Eure Kommentare, Mails, Nachrichten etc.!!!

P.S.: Wir geben vorerst noch keine Kommentare zu den Wahlen ab, nur soviel: Es ist immer herrlich, wie Toni B. eine Niederlage als Sieg darstellt. Mit einer solchen Einstellung lebt es sich sicher leichter:)

Sonntag, 9. Oktober 2011

Schtoub i dr Lunge und Empanadas uf dr Zunge

Bienvenidos zu unserem ersten wirklichen Blogeintrag, verfasst in einem authentischen Café in Palermo Soho, BA.

Vor fünf Tagen verlissen wir in Genf unser Abschiedskomitee und kurz danach die Schweiz mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Das Adiösagen fiel uns zwar schwer, jedoch freuen wir uns enorm auf die kommende Zeit in america latina.
Von da an ging alles rasch und reibungslos. Im 12h Flug von Madrid nach BA ergatterte Wegi sogar einen beinahe 1st Class Platz. Aus unerfindlichen Gründen fehlte vor ihm der Sitz, was ihm neidische Blicke und Kommentare einiger (langbeiniger) Mitreisender eintrug. Im Übrigen fühlten wir uns sicher, befand sich doch ein gewisser Javier Mascerano, auch bekannt unter hombre con cojones, im selben Vogel (Wegi verpasste leider das gemeinsame Beweisfoto).



Angekommen bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen ergriffen wir unser Gepäck und zielten an weibelnden Taxifahrern und Shuttlebusvertretern vorbei in den bus publico linea 8. Mit gutem Instinkt verliessen wir diesen dann am exakt richtigen Ort (ohne jegliche Ahnung noch einen Stadtplan zur Hand zu haben), bestiegen die Metro und fanden sofort unsere Unterkunft, ein sauberes und freundliches Hotel mit einem - und das ist wichtig - reich ausgestatteten Frühstücksbuffet. Dem Vernehmen nach soll sich dieses in einer brasilianischen Enklave befinden, hört man neben dem Spanisch der Angestellten doch einzig obrigado, não, joga bonita usw.

Merci Rahel und amigas

Die darauf folgenden Tage in BA waren überaus lässig. Wir haben viel gesehen und erlebt und sind noch mehr gelaufen. Mittlerweile kennen wir uns auch schon sehr gut aus, wie Einheimische hangeln wir von Bus zu Metro zu Nahrungsmittelquelle zu Touristenfalle etc.

Obelisco und etwa 47 spurige Strasse (Hallo TCS und SVP)

La Boca

Puerto Madero

We follow...
 
 Bundeshaus

Inselspital (oder Sonnenhof?)

Offenes Grab, Strasse und wohl reicher, aufgrund seines Namens allerdings gestrafter Bewohner des Cemeterio Recoleta

Mobilität

Kurz gesagt: BA ist ein Koloss, aber irgendwie doch ziemlich geordnet (ausser der Verkehr). Neben der wohl bekannten Tatsache, dass BA eher europäisch daherkommt und den sonstigen in Reiseführern zur Genüge beschriebenen Eigenheiten, möchten wir kurz zwei drei uns bis anhin unbekannte Aspekte vorstellen:
  • Des Öfteren sieht man am Strassenrand eine lange Menschenschlange stehen, als ob Diego la mano de Dios Maradona persönlich Zältli verteilen würde. Bei näherem Hingucken merkt man jedoch, dass hier einfach auf den Bus gewartet wird so wies sich gehört im Sinne von first come first serve. Angesichts früherer Erfahrungen sowie den eher gegenteiligen Erlebnissen in der Metro (wer als erstes drinnen ist, erhält das bedingungslose Grundeinkommen!), erstaunt dies doch ziemlich.
  • Wir Schweizer bezeichnen uns gerne als Nation von Velölern. Dies wird wohl auch begünstigt durch die Fahrwiese unserer Automobilisten (zumindest einiger), was man mit definitiver Sicherheit von den Argentiniern (und wohl allen Süd- und Mittelamerikanern) nicht behaupten kann. Trotzdem konnten wir in BA einerseits überraschend viele (waghalsige wenn nicht lebensmüde) ciclistas beobachten, die andererseits - und das hat uns noch mehr erstaunt - teilweise auf von der Strasse getrennten (!) Velowegen rollen. 
  • Die Empanadas in den richtigen Lokalen sind fantastico (es Merci o a Fischi). Ansonsten hatten wir bezüglich Preis-Leistungsverhältnis beim Essen nicht immer den richtigen Riecher, aber wir bleiben dran! Auf dem Foto rechts ein kulinarisch interessantes und lohnendes Erlebnis: Stand zum selber hamburgesas, Höt Dögs etc. machen.
  • Argentinien fertigte am Freitag ("die Schmach von Cardiff") Chile mit 4:1 ab. Leider haben wir zu spät davon erfahren, es hätte im Monumental noch Plätze zur genüge gehabt.
  • Die rund 9 stündige Busfahrt nach Montevideo (alle Schiffe waren bis auf die Luxusklasse bereits ausgebucht) war kurzweilig und angenehm, ausgenommen der Grenzübergang mitten in der finsteren Nacht. Wir singen hier ein kleines Lob auf Schengen Dublin. Gut 1,5 Stunden dauerte das Prozedere: Warten, Pässe abgeben, warten, Pässe zum zweiten Mal abgeben, warten, Beine vertreten, Gepäck durchleuchten lassen, warten, Gepäck öffnen, warten, warten... Und während all dem spielten die ca. 50 (!) Zollbeamten gemütlich mit Hunden, schlürften Kaffe und guckten Formel 1...
  • Der allererste Eindruck von Montevideo (insbesondere unser Hostel): Progr
    Nun stehen uns 3 relaxte Wochen Uruguay bevor, es bleibt zu hoffen dass das Wetter den anderen Weg einschlägt als in der Schweiz (zur Zeit ist es mit 20 Grad zwar nicht kalt, allerdings ständig bedeckt, was das Baden etwas unattraktiv macht). Wir melden uns bald wieder. Bis dahin möchten wir Euch ein erstes Rätsel aufgeben:

    Was ist bzw. war wohl die grösste Fehlinvestition der städtischen Verwaltung von BA? 

    Wir werden während unserer Reise regelmässig solche Rätsel posten. Ihr könnt uns Eure Antworten irgendwie zukommen lassen (Mail, Kommentar im Blog etc.). Wer dabei jeweils die richtige (oder auch eine aus unserer Sicht kreative) Antwort gibt, erhält ein Strichli auf unserer Strichliliste. Die- oder derjenige, die bzw. der am 17. Mai 2012 am meisten Strichli gesammelt hat, erhält von uns ein kleines Präsent. Hasta pronto chicos!