Montag, 21. November 2011

Hallo und Ade - Sendepause

Wir verduften!

Heute Abend entern wir hier in Puerto Natales die auf dem Foto abgebildete Fähre und stechen für 4 Tage in See (d.h. wir durchkreuzen grossmehrheitlich die Fjorde des südlichen und nördlichen chilenischen Patagoniens) verbringen, bevor wir am Freitag in Puerto Montt auswassern. Vorausgesetzt, wir krachen in keinen Gletscher oder werden nicht von einem Meeresgetier, dessen Existenz sich heute einzig anhand von Sagen und Legenden vermuten lässt (frei erfunden, nicht dass es hier derartige Gruselgeschichten gäbe, jedanfalls ist uns nichts Dergleichen bekannt) gefressen.

Die Fahrt dürfte etwas konfortabler werden als Wegis letztes Bootsabenteuer, als er zusammen mit Tucky, Johnny, Adb und einem Haufen Brasilianer 5 oder 6 Tage den Amazonas raufheizte und in Hängematten nächtigte.

Unser Schiff, es liegt bereits hier vor Anker
Beim nächsten Blogeintrag berichten wir dann gerne über dieses Erlebnis und auch die knapp 2 Wochen davor in Tierra del Fuego/Patagonien.

Ahoi!

Dienstag, 15. November 2011

Trümmelbachfälle

Seit einer Woche sind wir zu viert unterwegs. Manu und Tanja haben sich uns für 6 Wochen angeschlossen.

Das erste gemeinsame Ziel waren die Cataratas in Iguazu, ein Naturspektakel von Weltformat, so jedenfalls wird es angepriesen. Bevor wir jedoch die 18 stündige Busfahrt angetreten haben, waren Vera und Wegi erneut Zielscheibe eines einfallslosen Diebstahlversuchs. Vollbepackt wie Sherpas zwängten wir uns in die überfüllte Metro, immer zwei Augen und zwei Hände auf unseren Habseligkeiten. Im Getümmel drängten sich zwei Männer völlig unnötig und natürlich ganz zufällige direkt zu uns durch, auch wenn neben uns genau so viel Platz war wie überall sonst, nämlich gar keiner. Einer der beiden hatte eine Jacke über seinen Arm gelegt, so dass seine unverzüglich nach Wegis Geldbeutel grapschende Hand verborgen war. Dieser war jedoch a) an der Hose befestigt b) kaum mit Geld bestückt c) von Wegis Hand beschützt. Gleichzeitig (wohl zur Ablenkung) drückte die zweite dubiose Gestalt natürlich gänzlich aus Versehen Wegis Hand an der Haltestange. Und der ganze Aufwand, um die Metro an der nächsten Haltestelle unverrichteter Dinge gleich wieder zu verlassen. Fazit: Auch wenn man uns nichts anhaben konnte, bleibt ein etwas fahler Nachgeschmack.

Die Busfahrt nach Puerto Iguazu war lange und doch wieder nicht. Erstens hatten wir im Schlafbus einen Haufen Platz und bequeme Liegesitze, weshalb wir zweitens einen Grossteil der Nacht schliefen oder zumindest dösten. Drittens wurden wir hervorragend verköstigt inkl. Wein und Whisky als Absacker (auch wenn wir den leider verschliefen).

Festmahl im Bus (im Becher: Malbec aus Mendoza)
Iguazu möchten wir folgendermassen zusammenfassen:
  1. Ein atemberaubendes und unvergessliches Naturspektakel
  2. Horden von meist älteren Pauschaltouristen
  3. Sehr heisses und feuchtes Dschungelklima (34 Grad, ja wirklich!)
  4. Besuch eines nicht sehr stark frequentierten (jedenfalls nicht von den Touristenhorden) Zoos, in dem versucht wird, verunfallte, geschmuggelte, misshandelte oder gezähmte Tiere auf ihre Wiederauswilderung vorzubereiten.
Für einmal hatten wir weniger Glück mit unserer Hostelwahl, aber das nur so am Rande. Das reichhaltige Morgenessen entschädigte für Vieles.

Nicht mehr weit und es geht z Loch ab
Nämlich genau so








Und im "Zoo":

Ein freilebendes, äusserst eifersüchtiges Affenweibchen
Tucan
Darf bald in die Wildnis zurück

Ein Osmane ist und auch noch über den Weg gelaufen...
Zurück in BA nach einer weiteren, kulinarisch angereicherten Mammuntbusfahrt gabs noch einmal eine Portion Grossstadt inkl. Shoppen, Empanadas- und Glace-Vernichten sowie eine grosse Priese Vorfreude auf die kommende, kühle Zeit in Patagonien. Hier nochmals ein paar Eindrücke:

Füllt normalerweise ein ganzes Rayon im Supermarkt: Mate-Tee
Tango auf der Strasse
Slum mitten in BA (Villa 31)
Zoo oder Tierquälerei?
Schätzele unter Geiern

4 Mal Lomo (Rindfleisch) für sehr wenig Geld im El Federal (von einem Einheimischen empfohlen, merci Fischi)
Nun zur Rätselauflösung: Vera schliesst ihr Gepäck gerne mit ihren Vorhängeschlössli ab, egal in welcher Situation. So schaffte sie es, im Hotelzimmer (!!!) aus lauter Angst vor einem möglichen Diebstahl (wer wohl? MacGyver?) am Abend vor dem Essengehen ihren Rucksack mit ihren 2 (!!!) Schlössli zu verschliessen, nachdem sie die Schlüssel bereits ganz selbstverständlich in ihrem Portemonnaie verstaut hatte, das sich jetzt halt ebenfalls im Rucksack befand. Am nächsten Morgen konnte Vera das Schlössli mit viel Geschick und einer grosszügigen Portion Gewalt (begleitet von Wegis ketzerischen Kommentaren) auseinander-verhimmuheilandtonnere. Zum Glück, sonst hätte nur noch der Gang zum Handwerker um die Ecke geholfen (da war tatsächlich einer). Der ganze Ärger war also umsonst gewesen. Es bleiben einzig leise Zweifel an der Qualität der verwendeten Schlössli, ob diese einen Ganoven wirklich abgeschreckt hätten…

Für die nächsten Wochen geben wir den Interessierten unter Euch drei Teilquiz auf.
a)      Was denkt Ihr, wie viele Schweizer haben wir auf unserer Reise bereits getroffen (ohne Pauschalreisegruppen in Iguazu)?
b)      Was war wohl die speziellste Begegnung?
c)       Was finden argentinische Polizisten vor dem Abflug nach Ushuaia (um 04:00 Uhr) im Handgepäck zweier unbeirrbarer Schweizer (das diese dann nur mit sehr viel Glück noch in einem zusätzlichen aufzugebenden Gepäckstück verstaut behalten dürfen)?

Sonntag, 6. November 2011

Ganan las 12!

Ungeplanter Zwischenblogeintrag!

Eigentlich wollten wir allfällige erwähnenswerte Ereignisse unseres zweiten BA Aufenthalts zusammen mit dem Bericht über die Iguazu Wasserfälle posten. Der Sonntag sollte uns jedoch einen Strich durch die Rechnung machen, obacht:

1. Kaum in BA an Land gegangen, wurden wir in der Metro Opfer eines äusserst plumpen Diebstahlversuchs. Die Täter gingen dabei so vor, wie in wirklich jedem Reiseführer gewarnt wird. Die ahnungslosen und naiven Touristen werden mit irgendetwas Auffälligem bekleckert. Dann eilen einem sofort wahnsinnig aufmerksame, "zufällig" anwesende Passanten zu Hilfe und fordern einen auf, das Gepäck doch abzulegen, damit gründlicher geputzt werden kann. Wie zuvorkommend! Unterstützt wird das Ganze noch dadurch, dass die vermeintlichen Helfer lachend die Nase rümpfen, um auszudrücken, dass die Schmiererei auch ordentlich stinkt. Da auch wir Reiseführer studiert haben, lehnten wir dankend ab und kümmerten uns selber um die Reinigung, allenfalls dankbar für Nastüchli, die uns verschiedentlich (von ehrlichen Bürgern) angeboten wurden. Dabei merkten wir dann auch, dass die Ganoven eine gar nicht so übelriechende Feuchtigkeitscreme als "Tatwaffe" ausgesucht hatten. Leicht nach Limette duftend gingen wir des Weges.

2. Schon lange wussten wir, dass am 30.10. ein Boca Juniors Spiel in der berühmt berüchtigten Bombonera stattfinden wird. Zufälligerweise sogar das Spitzenspiel der hiesigen Liga. Deshalb recherchierte Wegi schon seit geraumer Zeit, wie man an Ticktes kommen kann. Wir mussten jedoch erfahren, dass es für Nichtmitglieder nur den Weg über Touriagenturen gibt (und wohl auch das nicht mehr lange). Also schrieben wir schon vorgängig ein Mail an unser bereits gebuchtes Hostel, um 2 Plätze zu reservieren. Leider ohne Erfolg, da keine Reservationen per Mail entgegengenommen werden… Kaum im Hostel angekommen, fragten wir deshalb auch schon nach dem Spiel. Leider ausverkauft bis auf einen Platz! Was??? Wegi war am Boden zerstört… Doch dann, ein wahrer Retter kam eben in diesem Moment (wirklich!) zur Tür herein. Er hiess Ben und war Brite/Aussi (aber für Wegi ist er Schotte). Da seine Freundin krank (vom Ausgang…) im Bett lag, konnte sie nicht teilnehmen, weshalb er ihr Ticket zurückgeben wollte. Wir ergriffen die Gelegenheit aber handtli beim Schopf und schon 15 Minuten später ging es los. Das nennt man dann wohl Glöggli...

Zum Spiel selber: Es war ein wirklich unvergessliches Erlebnis, auch für Vera. Dass wir mitten in den Boca Ultras (la 12) gelandet waren, trug das Seine dazu bei. Natürlich war dies nicht vorgesehen, denn die Touris teilen sich normalerweise einen Stehplatzsektor mit „normalen“ Boca Fans. Da sich la 12 zur Zeit jedoch einen erbitterten internen Kampf (das Fernsehen spricht sogar von guerra, was angesichts der Gewalt wohl zutreffender ist) liefert, wurde unser Sektor von den Anhängern von Raffa di Zeo (ehemaliger Anführer von la 12, hier eine echte und berüchtigte Berühmtheit und erst 2010 aus dem Knast entlassen) geentert. Davon haben wir allerdings erst später erfahren, einzig die Nervosität unseres Guides kam uns etwas seltsam vor.


Retter in Not! Und jaja, habe mir ein Cap gekauft, auch weil ich keines dabei habe...
Kaaalt
 

Die Mauer (VIP-Logen) und "Choreo"


Ah ja, Boca gewann 3:1!

Ciao a tutti!

Dienstag, 1. November 2011

The Prophecy

Vorbemerkung: Zum Titel vergleiche die Ausführungen weiter unten, aber so etwas ist uns tatsächlich noch nie passiert... Zukünftig werden wir versuchen, in etwas kürzeren Abständen zu bloggen, dafür jeweils etwas weniger vollgepackt bzw. überladen.

Wir haben Uruguay nun nach gut 3 wunderbaren und ereignisreichen Wochen hinter uns gelassen. Lange haben wir nach einem einzigen passenden Prädikat für das Land gesucht, schlussendlich erfolglos. Natürlich verfügt Uruguay nicht über derart viele spektakuläre Sehenswürdigkeiten wie andere südamerikanische Staaten, trotzdem haben wir hier neben wundervollen Menschen eindrückliche Landschaften, eine köstliche Küche, lebendige Städte und ganz allgemein eine grosse Vielfalt genossen. Man fühlt sich sehr schnell richtig wohl und vor allen auch sicher. Als wir z.B. zum zweiten Mal im Bus Richtung Zentrum von Montevideo sassen, war das, als kämen wir zurück nach Hause.

Unser Aufenthalt in neuer Residenz war wiederum sehr angenehm, auch wenn sich weder die mürrische Belegschaft noch die extravaganten Gäste auf unserer Wellenlänge bewegten. Dies war bis anhin allerdings wirklich die Ausnahme. Die Zeit vertrieben wir uns mit Füsse wund laufen (Ihr möchtet sie weder sehen noch riechen). Und als hätten wir nicht genug der höllischen Schmerzen, stellten wir uns am Dienstag auch noch um 7 Uhr den Wecker für ein ausgedehntes Morgenjogging (Footing im Fachjargon). In der Tat eine wunderbare Erfahrung in einer beinahe menschenleeren Millionenstadt, steigt doch der Durchschnitts-montevideño erst gegen 9 Uhr aus den Federn.

Plaza Independencia
Teatro Solis

Chlykunscht
Parilla-Wahnsinn
Dito
Etwas schweren Herzens verliessen wir die Hauptstadt und fuhren der Küste entlang ins weltbekannte Colonia del Sacramento, eine kleine malerische Hafenstadt, die zum Unesco Weltkulturerbe gehört und dies in unseren Augen auch verdient. Wir lassen an dieser Stelle die Bilder sprechen. Übrigens hatten wir auch hier grosses Glück mit unserer Unterkunft etwas abseits des Touristenrummels. Allerdings mussten wir etwas zittern, hatten wir uns doch naiverweise nur den Weg und nicht die exakte Adresse gemerkt. Weil uns auch die Einheimischen keine Hilfe waren, irrten wir fast eine Stunde lang mit all unserem Gepäck unter der brütenden Sonne durch die Strassen, ehe uns eine kleine Frau (die Besitzerin, wie sich sofort herausstellte) mit unseren Namen ansprach (wir hatten uns vorgängig per Mail nach einem Zimmer erkundet). Wir staunten nicht schlecht, waren aber verständlicherweise ziemlich erleichtert. Zu unserer Entschuldigung müssen wir hinzufügen, dass die Herberge mit keinem einzigen Wort beschriftet ist, nicht einmal auf dem Briefkasten.







Schule besucht Heladeria: Fiesta!

Chlapf
Zwöite Chlapf
Wullesou
Wenn Schuhe sprechen können
Und jetzt werden wir noch etwas kitschig, man darf es uns nicht verübeln:









Nun zum Titel dieses Blogeintrags: In unserem Hostel erlebten wir eines Abends eine Begegnung der besonderen Art. Es begann mit dem üblichen Traveller-Smalltalk (vo wo bisch? wohäre geisch?) mit einem ca. 50 - 60 jährigen, anfänglich überraschend zurückhaltenden, ehemaligen Amerikaner (damit will er nichts mehr zu tun haben). Rasch kam dieser auf die gegenwärtigen Misstände in unserer Welt (Umweltzerstörung, Klimaerwärmung, Kriege, Ausbeutung etc.) zu sprechen. Eine konstruktive Diskussion liess er hingegen gar nicht erst aufkommen, denn: Es ist zu spät! Ausführlich (und zwar ohne Punkt und Komma) wurden uns die Gründe dafür dargelegt. Und am Ende dieser Informationsflut stellte sich unser "Gesprächspartner" (allzuviel hatten wir eigentlich nicht zu melden) auch gleich noch ein zweites Mal vor: JESUS CHRIST himself! Und wir wissen nun auch, dass die Welt am 21. März 2014 untergehen wird bzw. dass uns dannzumal eine schreckliche Eiszeit inkl. nuklearer Verseuchung bevorsteht. Die ausführliche Version dieser Prophezeiung soll bald auf Youtube zu sehen sein. Dabei wird sicherlich auch gleich der einzig mögliche Ausweg präsentiert: Im Sinne von Noahs Arche sollen ca. 150'000 Menschen in kleinen, speziell ausgerüsteten (z.B. mit einem grossen Baum) Häusern in Pyramiedenform dieses Armageddon überleben. Ohne uns hier über jemanden lächerlich machen zu wollen, hat uns schlussendlich trotzdem nicht ganz überrascht, dass als Hauptbaustoff für diese Zeit nach unserer Welt Hanf dienen soll. 

Die Auflösung des noch laufenden Rätsels folgt im nächsten Blogeintrag. Wir bedanken uns aber schon jetzt für die witzigen und originellen Lösungsvorschläge. Es ereigneten sich mittlerweile bereits zwei weitere Missgeschicke: In unserem Hostel in Montevideo haben wir am ersten Tag schon einmal die Tür zu unserem Zimmer zerstört bzw. es war nicht mehr möglich, diese von innen (!) zu öffnen, da die Türfalle nicht mehr griff. Was würde wohl McGyver tun? Zum Glück sind wir beide mit einem Schweizer Sackhegu ausgerüstet und konnten das Schloss überwinden. Im Weiteren gesellte sich zu unseren sanitären Zwischenfällen am letzten Abend in Montevideo auch noch ein dank Veras Feingefühl geborstener Duschkopf. Mit etwas Tape liess sich dieser Vorfall jedoch vorübergehend verbergen... Zwei Tage danach landete ein freundliches Mail in Wegis Posteingang, in dem allerdings lediglich unser Besuch verdankt wurde. Glücklicherweise sind wir jetzt ja ausser Landes, und Interpol wird aufgrund der Schadenhöhe wohl kaum aktiv.

Hasta luego chicos!