Donnerstag, 26. April 2012

Mir hei Wind i de Haar u Sunne im Gsicht

Ooo wie ist das schöööön, ohne zu schwitzen in T-Shirt und langen Hosen durch die Welt zu gehen. Guatemala machts möglich. Wahrlich genug Flüssigkeit blieb in den letzten ca. 4 Wochen auf der Strecke.   

Einen Teil der Geschichte kennt Ihr ja bereits, zu berichten gibts noch unser Segelabenteuer und den (kurzen) Aufenthalt in Panamá. Zuerst aber sollen unsere beiden letzten Rätsel aufgelöst werden (ja, wir haben eines vergessen):   
  • Ihr könnt Euch vielleicht noch an das Foto mit der gespaltenen Lampe erinnern. Verantwortlich für diesen Schaden ist Veras Schädel. Aufgrund der holprigen Schotterpiste ging sie regelmässig und wortwörtlich an die Decke.
  • Zu unseren Reise-Highlights: Einfach war die Auswahl wahrlich nicht, aber wir konnten uns wie folgt einigen: 1) Cotopaxi-Besteigung, 1) Galapagos, 1) Sprachaufenthalt in Sucre. Der Tiefpunkt hingegen liegt auf der Hand: CL-Finaleinzug des FC Bayern. Geteiltes Leid ist zum Glück halbes Leid, denn ganz Antigua fühlt mit Wegi...
So, nun zu Aktuellem: Unser Segelboot wurde vom jungen französischen Capitano David gesteuert. Er navigierte einwandfrei und kochte noch besser. Und wenn ein bisschen Alkohol ins Spiel kam, war er auch richtig gesprächig :). 6 Leute haben auf dem Schiff "platz", aber es wäre wohl auch zu dritt ziemlich eng. 

Der Kutter "Tango 2 Amores" vor Anker im Hafen von Cartagena
Die ersten beiden Tage/Nächte segelten wir auf offener See, was für die meisten mit blauen Flecken endete. Es war zudem nicht immer einfach sich zu beschäftigen, wer zumindest etwas lesen konnte, durfte sich angesichts des Wellengangs glücklich schätzen (Wegi verschlang 3 Bücher:)). Ansonsten wurde getratscht und geschlafen. Und selbst die härtesten Wikinger hätten uns wohl einen Kranz gewunden: Auf dem ganzen Trip behielt ein jeder seinen Mageninhalt für sich, was offenbar ziemlich selten ist. 

Während den Nachtwachen (der Capitano braucht auch seine Ruhe) erlebten Vera und Wegi Unterschiedliches: Wegi musste beim ersten Mal (zusammen mit dem Deutsch-Zürcher Tim und dem Capitano) zwei Riesentankern ausweichen und begrüsste am frühen Morgen der zweiten Nacht schwimmende, schlafende, springende und senkrecht aus dem Wasser guckende Delfine. Vera hingegen durfte beide Male dem Regen trotzen.

Unser Abschlusseindruck von Kolumbien bzw. Südamerika: Skyline von Cartagena
Dank beweglichem Herd war Kochen auch dann möglich, als uns permanent der Boden unter den Füssen weggerissen wurde. Essen hingegen war um einiges anspruchsvoller
Das erste Mal Land (Panamá) in Sicht. Vera meint zwar, man sieht nichts, aber am Horizont taucht doch eine Bergkette auf oder?
 Kurze Zeit später tauchten die Delfine auf. Da alle anderen schliefen und sich Tim und Wegi zu spät bemühten, Alarm zu schlagen, glaubte man ihnen zuerst kein Wort. Hier der Bewies!

Kräftig durchgeschüttelt erreichten wir nach 42 Stunden das aus über 350 Inseln bestehende San Blas Archipel. Drei Tage lang wurden wir nun von mit Palmen gesäumten Stränden, frischem Meeresgetier, schönen Unterwasserwelten und viel Sonne für unsere Qualen entschädigt. Aufgrund der Hitze schlugen wir uns aber auch diese Zeit oft lesend und schlafend um die Ohren.

Ein wahrhaftig Abenteuer war das und trotzdem beklagten wir uns nicht, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Um den Übergang bezüglich Gleichgewicht möglichst sanft zu gestalten, mussten wir allerdings reichlich Bier stürzen :) (ein Scherz am Rande).


Weniger als zwei Palmen konnten wir nicht finden

Apéro
Nochmals ein Bild unseres temporären Zuhauses





Was Besuchern von Inselparadiesen oft verborgen bleibt: Schmutzige und mit Abfall übersäte Hinterhöfe, hier im Hauptort Porvenir (eine Handvoll Einwohner)
Links und (auf diesem Bild) gesichtslos: David, der Capitao. So sah der Schiffsalltag häufig aus
Manchmal aber auch so...
...und des Öfteren so. Dies übrigens unsere "Kabine". Man bedenke: Der Bug wackelt immer am meisten :)

Nach einer Nacht im etwas vergessenen Strandort Puerto Lindo gelangten wir am nächsten Tag nach Panamá City, bekannt (und teilweise berüchtigt) als moderner und etwas steriler Finanzplatz. In den kommenden drei Tagen sahen wir uns die Stadt sowie den Panamakanal (wird in Bälde 100 Jahre alt, der greise Sack!) an. Zudem unternahmen wir (ungewollt) einen Ausflug der etwas speziellen Art: In den falschen (aber wirklich kreuzfalschen) Bus eingestiegen endeten wir nach ca. 2 Stunden Irrfahrt irgendwo in einem heruntergekommenen (und gemäss Lonely nicht ungefährlichen) Vorort, von wo aus wir dann aber hurtig hurtig wieder in die Innenstadt fuhren (dieser Bus brachte uns dann fast vors Hostel, Holz anfassen :)).

Abschlussfoto in einer feinen Beiz in Puerto Lindo
Umsteigen in Colón, einem überaus hässlichen Pflaster. Die meisten öffentlichen Busse in Panamá waren in ihrem früheren Leben für den Schülertransport in den USA zuständig
Von dieser Exklave wussten wir bis anhin noch nichts

Da hat einer gut aufgepasst und das farblich passende T-Shirt montiert
Vielleicht noch ein Wort zum Wetter: Es war so heiss wie in Cartagena, nur viiiieeell feuchter!

Die auferstehende Altstadt Casco viejo...
...ein Nebeneinander von hoffnungslos verfallen und neu restauriert
Fühlen sich offenbar wohl im Panamakanal, gemäss Taxifahrer übrigens auch auf der Autobahn. Lächeln die wirklich so schelmisch?
Schleusen am Panamakanal. Wir sahen leider nur ein paar kleinere Schiffe passieren, die Riesentanker kommen meist morgens und abends
Übernachtungstechnisch erlebten wir in Panamá City eine echte Steigerung: In der ersten Nacht durften wir ein Zimmer auf dem Gang beziehen, in der zweiten sollten wir trotz Reservation eines Doppelzimmers ein Bett in einem Dorm teilen, bevor wir quasi als krönender Abschloss doch noch unser Doppelbett erhielten. Geschlafen haben wir aber (fast) immer wie Steine.

Unsere Suite in der ersten Nacht in Panamá City
Auch wenn wir (nur) noch 3 Wochen unterwegs sind, zeigt Wegis Rucksack langsam Auflösungserscheinungen. Mit Faden und Leim (ursprünglich in Buenos Aires zur Reparatur von Wegis Schuhen erstanden) wird versucht, den Todestag noch etwas herauszuzögern
Für das neuerliche Rätsel greifen wir bereits etwas vor. Hier in Antigua werden die Menschen durch ein Gesetz unsäglich stark eingeschränkt (das gilt jedenfalls für Zentralamerikaner). Es ist, als würde man einem Schweizer verbieten, Käse zu essen. Um was für ein Verbot handelt es sich wohl? Tipp: Autolärm.

Sonntag, 15. April 2012

(Ver-)laufen

Mit ungekannter Wucht empfing uns nach den Minustemperaturen im Nachtbus (wir trugen Jacke und Schal, andere sogar Kappen) die Hitzewand von Cartagena. Veras Freude auf etwas wärmere Tage wurde dadurch nicht unwesentlich geschmälert, insbesondere auch, da es hier in der Nacht nicht abkühlt. O-Ton Wegi: Man kann es ihr halt schon schwer rechtmachen : ). Schweissgebadet wurde zum Dauerzustand und die Klimaanlagen in Supermärkten und Läden ein Ort der Entspannung und des Verweilens.

Das hochgelobte Cartagena ist tatsächlich schön anzusehen (Altstadt), zur Besichtigung reichen unserers Erachtens zwei Tage aber längstens aus. Zudem liegt stets ein leicht fauliger Geruch in der Luft. Wir waren also nicht traurig, nach zwei Nächten weiterdüsen zu können (da wussten wir noch nicht, was ihr erst weiter unten erfahrt).

Wir waren noch nie in den U S and A, aber so stellen wir es uns vor
Es gäbe also noch freie Immobilien in Cartagena





Sehr passend, wir waren aber nicht drinnen, uns fehlte schlicht die Kleidung (und wohl auch das nötige Kleingeld)

Von Santa Marta aus (insgesamt verbrachten wir hier 3 Nächte, ohne mehr als das Hostel und den Supermarkt zu sehen, haben aber überhaupt kein schlechtes Gewissen deswegen) starteten wir unsere 5-tägige Wanderung zur Ciudad Perdida, eine Ruinenstätte mitten im bergigen Dschungel. Auch wenn die Wanderung an sich nicht sehr anspruchsvoll war (3-6 Stunden pro Tag), schlauchte uns die Expedition doch ziemlich, insbesondere wegen dem hyperfeuchten und heissen Klima. Glücklicherweise wurden wir mit genügend Wasser und Bademöglichkeiten versorgt. Als Nachtlager dienten Hängematten oder brettartige Matratzen in ziemlich rustikalen Camps. Gemäss Lonely Planet ist der Weg das Ziel und die Ciudad Perdida selber eher eine Enttäuschung. Chabis! Natürlich war die Wanderung an sich ein abenteuerliches Highlight, aber die unzähligen überwucherten Treppen und Mauern umgeben von dichtbewaldeten Hügeln haben uns ebenfalls tief in den Bann gezogen.

Dieser Ausflug reiht sich ganz oben auf unserer Hitliste ein, natürlich auch dank den super angenehmen Gspänli.
 
Berühmtester Sohn Santa Marta's

Vera lacht, ihr Rücken weint
Auch der Schotte hat geschwitzt, eigentlich war es ziemlich gefährlich hinter ihm zu gehen, weil er einen reissenden Bach hinter sich herzog

8 Meter Felsen für die Jungs

Tarzani
Nach 6 wurde nur noch bei Kerzenschein "gegamblet"
Aufstehen um 5:30
Indigenes Dorf...
...und seine Kinder

Bis vor Kurzem musste man durchs Wasser waten, einige hätten das der "Brücke" wohl vorgezogen


Die Brücken sind noch nicht überall fertiggewachsen, was den Abenteuerwert erhöht
Sorry, aber noch selten haben wir einen hässlicheren Vogel gesehen
Dort beginnt sie, die laaaaaange Treppe zur Ciudad Perdida
Es war so schwül, dass sich auch die Schmetterlinge abkühlen mussten
Das war noch ganz unten...
...und das ganz oben, 1200 Tritte (oder mehr) später





Unsere "hood", wieso dass wir dort oben einen Lolli erhielten, weiss wohl nicht mal der guía

Eigentlich war Wegi froh, für einmal keinen Rucksack tragen zu müssen, aber Osneider (ja das ist ein Name) kümmerte das wenig
Shithead (übersetzt: Scheisskopf??)


Unser Freund, Helfer und Spanischlehrer Osneider, hatte Ferien (Semana Santa) und unterstützte den Koch, um ein paar Batzeli für die Ausbildung zu verdienen
Auch nimmermüde "Teenies" (19 und 20) haben Grenzen

Eigentlich zur Erholung begaben wir uns nach den Strapazen der Ciudad Perdida in den Tayrona Park, der mit wunderschönen unberührten Stränden aufwartete. Doch auch hier nächtigten wir in Hängematten (Vera nicht alleine, gemäss den vielen Stichen im Gesicht am nächsten Morgen war da mindestens noch ein zusätzlicher Gast) und wanderten über 3 Stunden täglich in brütender Hitze. Vielleicht sagte uns da unser Unterbewusstsein schon, was wir ein paar Tage später entgültig feststellten: Unsere potentiellen Kinder müssen a) selber auf die Strandferien-Idee kommen und b) sehr überzeugende Argumente liefern : ).





Teilte mit uns den ganzen Strand
Sand oder Getier, es beisst...




Nach der Rückkehr aus dem Tayrona Park begannen wir uns geistig auf unseren Abschied von Südamerika vorzubereiten. Wir hatten schon Plätze auf einer Segeljacht gebucht, die uns in fünf Tagen nach Panamá bringen sollte (neben Fliegen zurzeit eigentlich die einzig sinnvolle Möglichkeit und inetwa gleich teuer). Wir hättens wissen sollen, Transport auf Wasser kommt bei uns nie so wie geplant. Das österreichische Segelboot schlägt sich mit Visaproblemen herum und kann erst viel später einwassern. So blieb uns nichts anderes übrig, als eine Alternative zu suchen. Fündig wurden wir bei einem französischen Kapitän, der allerdings drei Tage später lostuckert. So sahen wir uns "gezwungen", ganze fünf weitere Tage in Cartagena zu verbringen. Wir überbrückten diese Zeit mit dem Besuch eines weiteren Hippiestrands, Playa Blanca. Weisser Sand, Piña Colada und türkisfarbenes Wasser mögen für die meisten wie ein Traum tönen. Für uns wars ok (wirklich), aber gerne bestiegen wir am nächsten Tag die Fähre zurück nach Cartagena (vielleicht auch verstärkt durch die aufsässigen Strandverkäufer und Masseusen).

Nun lassen wir die zwei letzten Tage in Cartagena und somit auch in Südamerika mit Organisatorischem und Nichtstun ausklingen. Zu holen gibt es sowieso nichts, denn die Stadt ist aufgrund des hier stattfindenden Cumbre de las Américas (Zusammenkunft fast aller hiesigen Staatschefs) hermetisch abgeriegelt. Etwas grotesk präsentiert sich dieses Klassentreffen schon: Da kommt Obama mit einer Armee von Sicherheitsleuten sowie eigenen Fahrzeugen und bucht das komplette Hilton. Der hiesige Flughafen wird geschlossen und die Linienflüge umgeleitet. Gleichzeitig verbringt Hillary Clinton ziemlich unauffällig ihren Samstagabend in einer einfachen Bar ganz in der Nähe unseres Hostels, wo ein jeder ein und aus gehen kann, und dies notabene nicht im allerbesten Viertel (ein Dank geht an unsere Informanten aus Östeereech).

Für alle die nicht lesen: Das ist jetzt ein anderer Strand als der obige
Aufgewacht, einmal gedreht und schon hatten wir diesen Ausblick
DER Strandtourist, im Sessel mit Piña Colada (12 Uhr war aber schon vorbei, wenn auch knapp, aber so wurden Wegis Prinzipien nicht verletzt)


Ein erstes Abschlussrätsel (nur noch ein Monat trennt uns von der Schweiz): Was denkt Ihr, waren in den vergangenen gut 6 Monaten unsere drei absoluten Highlights?