Einen ganzen Monat verbrachten wir in Sucre, wohl ein Zeichen, dass es uns nicht ganz unwohl war in der weissen Stadt. Doch zuerst die Auflösung des letzten Rätsels:
Wie viele von Euch (danke, die zahlreichen richtigen und kreuzfalschen Lösungsvorschläge haben uns sehr gefreut!) richtig erkannt haben, besitzen Ampeln in Bolivien nicht die gleiche Autorität wie in der Schweiz. Aber von vorn: Im Zentrum gibt es ein paar neuralgische Kreuzungen. Bisweilen kann es zu Stau kommen, weshalb die Obrigkeit eigens Polizisten abgeordnet hat, um allfällige Knäuel zu entknoten. So erzählen es jedenfalls die Einheimischen, nicht ohne anzufügen, dass die ganze Übung fürs Lama ist. Und tatsächlich, der neutrale Beobachter merkt schnell, dass die Frauen und Mannen Polizisten nichts anderes tun, als mit Trillerpfeife im Mund das zu wiederholen, was die Ampel vormacht.
An Kreuzungen, die nicht derart stark befahren wird, verhalten sich die Autofahrer schlicht wie die Velofahrer in der Schweiz mit der Ausnahme, dass sie immerhin hupen, bevor sie mit hoher Geschwindigkeit und bei Rotlicht durch die Kreuzung brausen. Falls Papa Evo einmal Geld braucht, empfehlen wir ihm den Import von ausgedienten schweizer Blechpolizisten!
So, nun zu unserem Aufenthalt in Boliviens Hauptstadt (gemäss Verfassung). Sucre ist eine der wohl schönsten Städte in Südamerika (unsere Meinung). Kennzeichnend sind die meist kolonialen Gebäude, die bis weit übers touristische Zentrum hinaus in weisser Farbe gestrichen sind. Sucre ist darüber hinaus eine Studentenstadt mit dem entsprechenden Lebensstil.
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| Es gibt in Bolivien offenbar über 100 Härdöpfelsorten, hier ein paar davon auf dem Mercado Central |
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| Wir liebten den Mercado Central |
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| Bei diesem Fraueli waren wir beinahe jeden Tag Stammgast |
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| Da waren sie wieder, die Heerscharen von Schuhputzern |
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| Vielleicht schaute Wegi einfach etwas zu viel TV... |
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| Aussicht |
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| Aperöle bei eben diesem Ausblick |
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| Auch die Gräber sind weiss |
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| De noche von unserer Dachterasse aus |
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| Plaza 25. de Mayo (Plätze/Gärten werden in Bolivien sehr gepflegt) |
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| Eine von Hunden bewachte Kirche (eine Hommage an die vielen Strassenhunde?) |
Die ersten paar Tage widmeten wir der Bekämpfung von Veras Seuche und der Suche einer geeigneten Sprachschule. Unserer Skepsis und einigen Zufällen ist es zu verdanken, dass wir einen Volltreffer landeten. Die Sprachschule Fenix ist eine Non-Profit Sprachschule, die diesen Gedanken wirklich lebt: Die Hälfte der ca. 5 Franken pro Stunde (!) geht an die Lehrerschaft/Infrastruktur, der Rest wird verwendet, um materiell benachteiligten Kindern Englisch beizubringen. Die 6 hervorragenden Lehrer entstammen selber schwierigen Verhältnissen und wissen so manche haarsträubende Geschichte zu erzählen.
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| Besuch im Alters- und Behindertenheim, ein trauriges Erlebnis |
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| Lehrerschaft: Grover, Lulú (Lehrerin von Wegi), Schweizer 1, Schweizerin 1, Tatjana, Yashira (Lehrerin von Vera) (es fehlen noch Jimena und Ximena) |
Unser Schulaltag lässt sich rasch erklären:
- Montag bis Freitag Quälerei in den Klassenzimmern von 8 - 12
- Um unsere Häupter auszulüften: Volleyball (bis Wegis Bürofinger bluteten), Jogging oder Thai Bo (sehenswerte Sportquote: 17 Mal in 22 Tagen geschwitzt!)
- Einen Haufen Hausaufgaben, da fiel auch das eine oder andere Mal ein etwas unfreundlicheres Wort, aber es war ja schliesslich zu unserem Besten.
An den Wochenenden spielten wir jeweils mit unseren Lehrern und anderne Schülern Wally, eigentlich Volley für Grobmotoriker, da man auf einem Squashfeld spielt und die Wände auch benutzen darf. Wir besuchten auch einmal den Handwerkermarkt von Tarabuco, schon allein die Anreise war ein Abenteuer: Zusammen mit 12 Bolivianern (inkl. uns unbekannte in Tücher gehüllte Materie) ratterten wir in einem Minibus durch die schöne Landschaft. Zeitweise konnten wir wegen Regen und angelaufener Scheibe jedoch nichts sehen, was im Übrigen auch auf den FAHRER zutraff! Eh nu, wir sind heil hin- und zurückgekommen. Und auch sonst waren wir kaum einmal zuhause. Wenn wir nicht selber etwas unternahmen, so schlossen wir uns unseren Lehrern oder anderen Schülern an.
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| Z Bode |
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| Auf dem riesigen labyrinthmässigen Mercado Campesino kann man alles, aber wirklich alles kaufen, und das zu keinem Preis |
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| Z.B. eine neue Frisur. Kostete 1.2 Fr ... |
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| ... und sah dann so aus. |
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| Trainingsspiel Universitario de Sucre (la "U") - Flamengo zu gutem Zweck (Eintritt: 1 Kg Reis/Pasta). Der Schütze ist, und das ist wahr, cara de caballo Ronaldinho. |
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| ÖV, es stiegenj noch mehr zu! |
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| Markt in Tarabuco. Unsere Rucksäcke sind nun einiges schwerer |
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| Vera wollte es auch wissen und musste 3 Fr. lockermachen |
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| Hier das Resultat ("Spitzli schnide") |
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| Kochen mit Einheimischen: Almuerzo (Mittagessen, in rauhen Mengen) |
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| Haben unsere Lehrerinnen zusammen mit Urs (wo kommt der wohl her?) zum Essen eingeladen |
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| Meistens ein Gehacke von A - Z: Wally |
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| Museum für indigene Webkunst. Diese Frau webt 4 Monate an einem Teppich, den sie dann für umgerechnet 500 Fr. verkaufen kann |
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| Bandera de Bolivia im eher langweiligen Museum Casa de la Libertad |
Apropos zuhause: Wir wohnten bei einer einheimischen Familie in einem wunderschönen Haus, das allersings derart gross ist, dass neben 2 Zimmern auch noch 4 Wohnungen untervermietet werden (u.a. an eine Japanerin und an 2 Fussballprofis). Somit war unser Aufenthalt nicht wirklich ein Familystay im klassischen Sinn. Dank der äusserst schwatzhaften Hausangestellten (oh ja, die Familie hatte gleich 3 davon, als Besitzerin einer Hotelkette kann man sich das leisten) Margot konnten wir unser Gelerntes trotzdem zur Genüge in die Praxis umzusetzen. Und sowieso, unsere Familie war die Sprachschule, denn auch ausserhalb der Klassenzimmer haben wir viel zusammen unternommen (Fussballspiel, Essen, Kochen, Jugos trinken etc.).
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| Patio unserer Bleibe |
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| Mitbewohner Apolo aka der Zerstörer |
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| War viel harmloser |
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| Argentinier, spielen beide für la "U" |
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| Ein typisches Znacht mit tonnenweise Gemüse |
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| War zwar nicht ganz günstig, aber sehr fein und ziemlich authentisch |
Der Abschied war ein trauriger, den wir hatten ein paar sehr gute Freunde gefunden in Sucre, die wir vielleicht nie mehr wieder sehen werden. Das gehör halt auch zum Reisen und es bleibt der Vorsatz, den Kontakt zu halten sowie die Gewissheit, dass unsere Erwartungen an den Sprachaufenthalt in jederlei Hinsicht bei Weitem übertroffen wurde.
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| Ein kleines Dankeschön an die Schule: Wagten den Versuch, mit Erfolg |
Und fürs nächste Mal ein weiteres Rätsel: Das Leben in Bolivien ist für Reisende sehr günstig. Da können wir uns durchaus auch einmal etwas Teureres leisten. Von Sucre nach La Paz haben wir z.B. einen Schlafbus gebucht, der rund das Doppelte gekostet hat, als die günstigste Alternative. Trotzdem hat der ganze Spass unser Reisekässeli gleich viel oder gar etwas weniger belastet, als wenn wir den billigsten Bus bestiegen hätten. Wie ist das möglich?