Montag, 26. März 2012

El bigote

Unser Blog in neuen Design, damit man die Lupe weglassen kann (fällt uns jetzt ein, wo die Reise beinahe zu Ende ist...)

Kolumbien erwartete uns mit hohen Vorschusslorbeeren. Nun, um es gleich vorwegzunehmen, wir sind dem Land und insbesondere auch den Leuten total verfallen. Von der ersten Minute an fühlten wir uns wohl und sicher und nicht wie im Vorgängerland, einzig als wandelnder Geldautomat. So streitet sich Kolumbien momentan mit Bolivien um den ersten Platz auf unserer Favoritenliste. Kurz zusammengefasst können wir unsere ersten Eindrücke von Kolumbien wie folgt umschreiben:
  • Die Menschen sind fast durchs Band interessiert, gebildet, kontaktfreudig, lächelnd, hilfsbereit und unglaublich liebenswert.  
  • Das Gerücht, dass viele (ältere) kolumbianische señores einen Schnauz (bigote) tragen, lässt sich nicht ganz aus der Welt schaffen.
  • Wenn wir schon bei Klischees sind: Eine Mehrheit der Kolumbianer scheint an der Kaffeetasse zu hängen. Der Kaffee ist wirklich saugut, das Suchtpotenzial besteht latent auch bei Wegi, der ja sonst kaum Kaffee trinkt und wenn, dann löst er meistens irgend ein chemisches Pulver (dass nur so tut, als wäre es Kaffee) in Wasser auf.
  • Kolumbien ist das Land der Velöler (sehr sympa) und Sicherheitskräfte (so viel Schmier und Militär haben wir kaum wo gesehen). Letzteres vermittelt ein gewisses Sicherheitsgefühl und rührt wohl daher, dass das Land zurzeit an zwei Fronten kämpft: Im Bürgerkrieg gegen die allerdings weit zurückgedrängte Guerilla sowie bei der Kontrollierung des narcotráfico (Drogenhandel).
  • Die Landschaft ist sehr üppig (Regenwald überall!), saftig grün und hügelig (siehe Minuspunkt weiter unten).
  • Das Land ist überraschend modern (z.B. existieren effiziente ÖV-Systeme in den Städten) und vergleichsweise sauber.
  • Der Tourismus gedeiht. Trotzdem trifft man noch nicht so häufig auf Gleichgesinnte wie anderswo. So kommt man auch viel mehr mit Einheimischen in Kontakt (unsere Spanischfähigkeiten florieren) und die Attraktionen sind kaum überlaufen (könnte sich bald ändern).
  • Als einziger Negativpunkt muss man wohl das Busfahren nennen. Wir hatten mit den Pannen und Staus vielleicht etwas gar viel Pech, trotzdem: Die Fahrten sind oft mühsam und teilweise halsbrecherisch, denn aufgrund der Topographie gibts in Kolumbien wohl mehr Kurven als Kaffeesträucher. Waghalsige Überholmanöver führen so des Öfteren zu Unfällen. Wir standen bspw. lange in einem Stau, weil ein Laster über den Strassenrand in die Tiefe stürzte. Der Fahrer überlebte den Unfall leider nicht.
Unsere ersten Kurven in Kolumbien. Froh Ecuador hinter uns gelassen zu haben, schien uns die Landschaft gleich viel schöner und freundlicher.
Wegis Rückfall in alte WG-Zeiten. Danach gabs noch König der Löwen 1 - 3, auf spanisch natürlich. Irgendwann sind wir aber eingedöst...
Sieht man an allen Ecken und Enden: Velöler und Ordnungshüter
Nach einem sicherheitsbedingten (im südlichsten Zipfel Kolumbiens sollte man offenbar besser auf Nachtbusse verzichten) Zwischenhalt in Pasto ruhten wir uns in der ciudad blanca (schon wieder, scheint in Südamerika ein Renner zu sein) Popayán aus, bevor wir in Tierradentro/San Andrés und San Augustín auf archäologische Entdeckungsreise gingen. Die berühmten Gräber und Statuen waren dort jedoch mehr Nebendarsteller angesichts der atemberaubenden Landschaft (und unseren Interessen...).

Popayán von links schräg oben

De noche vom Hostel aus
Tierradentro-Wandertrio mit Ian aus Holland und/oder USA (?)
Schlechtes Bild eines effizienten Transports
Die Unterkunft in Tierradentro hiess Lucerne, offenbar weil vor über 30 Jahren einmal ein Schweizer seine Tasche hiergelassen hat.


Es gibt wohl doch etwas mehr Kaffeesträcher als Kurven...
Grab, je nach Stand des Bewohners mit oder ohne Verzierungen
Eingang zu solch einem Grab
Dank gebündeltem Effort lief der Bus wieder, nachdem er auf einer einspurigen Brücke miten im Verkehr einfach stehenblieb
Hoch zu Ross Teil 2 in San Augustín, diesmal leider in nicht endendem strömendem Regen. Uns gefiels trotzdem (=das Lächeln ist echt)
In Stein gehauene Figuren/Bilder, es hat mehr als man auf den ersten Blick sieht

Während einer Pause gabs jugo, wie mindestens einmal täglich
Grabwächter (andere Gräber als in Tierradentro)
Mehr der berühmten Statuen von San Augustín (alle haben irgendeine Funktion im Zusammenhang mit Gräbern)
Wer ist hier weich, der mit dem permanenten Regenschirm, den er nicht mal halten muss, oder der, der unerschrocken jedem Strum trotzt
Im unserem von einem frz. Pärchen geführten Hostel gabs täglich leckers Gebäck (Schoggichüechli, Maracuya-Meringue, Tarte Tatin, etc.). Wir assen in San Augustín übrigens eine Pizza, die so gross war wie ein Traktorrad (oder fast)
Wären wir eine Kuh (oder zwei), würden wir auch gerne hier grasen


Der Regen vertrieb uns, sonst sässen wir wohl immer noch dort
Hostel San Augustín
Ein Zwischenstopp in einer kleinen Wüste mit berühmter Sternwarte sollte uns die Fahrt nach Bogotá verkürzen. Auf Anraten eines "Conaisseurs" liessen wir diese Idee allerdings sausen, meinte dieser doch, dass wir nach Atacama-Wüste und Salar de Uyuni eher enttäuscht sein würden. Er empahl uns daraufhin den Besuch einer vulkanischen Termalquelle mit feinem Restaurant, grundsätzlich eine Anlage für einheimische Touristen und daher eher selten auf den Reiseplänen von Ausländern. Gut für uns, denn so bleiben auch die Preise äusserst einheimisch!

Diese kurze, aber feine Ruhepause war natürlich WOHLverdient, der einzige Makel, wenn man denn unbedingt einen finden will, waren die vielen Leute. Wieder einmal hatten wir ein erstaunliches Timing und trafen prompt eine "Brücke", wo ganz Kolumbien verreist.

Wie üblich: Im schicken Hemd und "Schlieferschüeli" muss der chófer persönlich Hand anlegen
Thermen-Romantik...
... mit herrlichem Znacht
So liebe Knobler, heute haben wir ein Bilderrätsel für Euch. Was ist bitte schön passiert? Tipp: Busfahrt!

Dienstag, 20. März 2012

GALA

Es ist nicht ganz einfach, in Kolumbien Blog zu schreiben, weil dazu einfach keine Zeit bleibt! Entweder sind wir in hinreissend schönen Gegenden unterwegs, unterhalten uns mit den bisher liebenswertesten Menschen oder sitzen im Bus (lange Distanzen, Pannen [z.B. defekte Kupplung auf einer EINSPURIGEN Brücke mit der Ambulanz im Rücken!], Stau). Nun haben wirs aber doch noch geschafft, unseren Galapagos-Trip in den Weiten des www zu verewigen. Da es auf dieser Inselgruppe im Pazifik vor allem ums "Gugge" geht, halten wir uns mit Text etwas zurück und lassen vermehrt die Bilder sprechen, das interessiert die meisten sowieso mehr (8-ung: Nicht-Tierliebhaber können sich in wenigen Sekunden wieder anderen Dingen zuwenden).

Wir hatten diesen Ausflug ja eigentlich gar nicht geplant und uns kurzfristig, gestützt auf Schwärmereien anderer Reisender, dafür entschieden. So standen wir in losem Kontakt mit einer Agentur und konnten erst in Quito Nägel mit Köpfen machen. Als bereits alles geregelt war (insbes. die Knete schon bezahlt), gabs dann doch noch ein pequeño problema. D.h., der Tanker verfügte gar nicht mehr über freie Kabinen! Aha, PEQUEÑO problema also... Nun gut, man fand letzlich doch noch ein Schiff für uns, und im Nachhinein hatten wir wohl Glück im "Unglück", denn der Ausflug war einfach nur weltklasse. Und für ein klein wenig mehr Geld kamen wir in den Genuss einer speziellen Route, die erst noch einen Tag länger dauerte. Los gings dafür schon am nächsten Tag in aller Herrgottsfrüh...

Wir müssen wohl nicht noch extra beschreiben, was wir schlussendlich alles erlebt und gesehen haben, nur so viel: Galapagos-Reisen sind zwar astronomisch teuer (trotz Last Minute), aber es hat sich jeder centavo gelohnt, ein unvergessliches und einzigartiges Erlebnis.

Und jetzt fertig "geliiribänzt", schaut am besten einfach selber (Wegi hat viele Fotos gemacht, aber die Kamera auch mal ruhen lassen, um die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Von einigen Mitreisenden sahen wir vor lauter Linse kaum einmal das wahre Gesicht...).

Etwas faules Empfangskomitee am ersten Tag
Und schon wird geposed was das Zeug hält
Blue-footed Booby ("Blau-Scheiche Töupu")

Red-footed...
Die Galapagos-Tiere sind die Ausgeburt der Indifferenz, nicht nur den Menschen gegenüber...



Ein etwas flacheres und trockeneres Exemplar
Wenn wir von einem Tier am Ende etwas die Nase voll hatten (im übertragenen und im wörtlichen Sinn), dann von den überall herumhängenden, spuckenden (!) und übel riechenden Meeresleguanen
Landleguan

Name vergessen, aber was spielt das für eine Rolle bei solch einem Sack
Kurz darauf hörten wir einen ohrenbetäubenden Knall...:)
Mutterliebe I

Lav(er)a

Krebse gabs wohl noch mehr als Leguane, aber sie nervten weit weniger


Pinguine, bei 35 Grad

Unser Haufen, es fehlen zwei Seuchende (inkl. Wegi, wegen 39 Grad Fieber einen Tag weg von der Bildfläche, zum Glück wars nur ein Sonnenstich und nicht eine Grippe)
Am nächsten Tag als (farbiger) Araber wieder auferstanden



Mutterliebe II

Gelobt sei die Sonnenbrille. Die Äquator-Sonne ist halt schon sinnlos deftig...
Hauptsache den ganzen Tag herumhängen...
...wo auch immer
Veras Liebling...
...warf sich schon in seinem zarten Alter von 2 Monaten gekonnt in Pose

Schildkröten sind langsam, laut, hemmungslos...
...und haben schlechte Manieren

Wegis Liebling (die anderen runzelten die Stirn)

Unser Kahn bei Vollmond
Eine der wenigen Pausen an Bord, in Kürze wird wieder Land oder Wasser (2 x "Esnookeling" täglich) erkundet
Alkohol war teuer an Bord, wir wussten uns aber zu helfen. Den offenen Kühlschrank gabs in der Kabine und lief sowieso
Gemäss Witzbold aka Capitano kann man zu dieser Zeit keine Wale sehen. Er sollte nicht Recht behalten und wir trafen im offenen Meer auf eine ganze Herde

Ständige Begleiter unseres Schiffs (Speisereste?). Ab und zu hinterliessen sie auch weiss-schleimige "Geschenke"

Es gibt auch kleinere Tierchen auf den Galapagos, nur stehen sie (zu Unrecht) oft im Schatten der "Grossen"

Unsere Gang: Links ein schweizer Pärchen (Domi, Nici), das wir über Ecken sogar kennen, rechts Joana (Deutschland) und Carlos (España)

Die Hauptdarsteller finden zusammen zum Abschlussfoto
Nach unserer Rückkehr trafen wir zu unserer Überraschung und Freude in Quito Reto und Corinne, die per Zufall gerade in der Nähe waren
Was wir Euch noch vorenthalten haben, sind die Unterwasserwelten, die wir täglich (viel Salzwasser schluckend) entdeckten. Neben unzähligen Fischen in allen Farben gaben sich Schildkröten, Muränen, Pinguine, tauchende Vögel, Meeresleguane, Riesenhummer (sahen nur Vera, Nici, Domi und ich, ein paar Punkte für uns im harten Wettbewerb "wer sieht was als erstes blablabla"), spielende Seelöwen und -hunde, Tintenfische, Seesterne, Rochen und Haie (Höhepunkt: Hammerhaie, beim ersten Schnorchelgang!) die Ehre. Dazu haben wir leider keine Bilder, sondern nur ein paar wenige Videos. Zwei davon sind unten angefügt.

Und bevor wirs vergessen: In Ecuador kann sich natürlich nicht jeder ein Auto leisten. Das Benzin ist zwar billig (die Preise sind pro Gallone und nicht pro Liter Wegi, zuerst lesen, dann palaveren), aber die sehr günstigen Busse sind sowieso viel schneller: Nie wurden wir von einem Auto überholt. Wann man allerdings die dadruch gewonnene Zeit mit einem "Halsbrecherindex" gewichtet, würden viele wohl gerne ins Auto umsteigen... Und bezüglich Komfort: Hoffnungslos überfüllt sind beide, Auto und Bus. Rätselspass gibts dann wieder aus Kolumbien.