Montag, 13. Februar 2012

AGUA

Wir gliedern unseren neusten Blogeintrag in drei Kapitel/Städte:

La Paz

Ein Schlafbus führte uns über holpriges Terrain nach loca la Paz. Natürlich war dies die teuerste Möglichkeit (nach Fliegen), aber a) es kostete uns lediglich ca. 15 Franken und b) Vera konnte dank den zu einem Bett (wahrhaftig!) verstellbaren Sitzen auf ihre Anti-Thrombose-Spritze verzichten. Im Endeffekt kam uns somit die vermeintlich teuerste Alternative günstiger als die billigste. Dies wäre auch gerade die Auflösung unseres letzten Rätsels. Zu Euren Lösungsvorschlägen: Klar spart man mit einem Nachtbus die Auslagen fürs Hostel. Zwischen Sucre und La Paz existieren allerdings nur Overnight-Verbindungen.


In La Paz verbrachten wir drei ganz unterschiedliche Tage: An Tag 1 schlenderten wir durch die Strassen und deckten uns hier und dort mit Souveniers ein. Da unsere Rucksäcke dem nicht mehr gewachsen sind, werden wir in Lima ein Päckli aufgeben, es liegen ja noch einige Wochen vor uns...

Am zweiten Tag bestiegen wir unseren ersten 5000er und verbrachten so auch noch gleich ein paar Stunden im Schnee, was uns der Schweiz etwas näher fühlen liess. Chacaltaya heisst der Hoger und beheimatete bis vor ein paar Jahren noch das höchstgelegene Skigebiet der Welt. Allerdings hatten und haben die Bolivianer ganz andere Probleme, als den Tag im Schnee zu verbringen und zudem ist der Gletscher, auf dem gekurvt werden konnte, mittlerweile weggeschmolzen, Klimawandel sei dank. Vielleicht sollten wir der Vollständigkeit halber noch erwähnen, dass wir mit dem Bus (auf engen, unbefestigten Serpentinen und durch Schneegestöber) bis auf 5200 m ü.M. gefahren wurden. Auf den verbleibenden Höhenmetern hatte Vera leider ihre liebe Mühe und musste auf ca. 5350 m ü.M. wieder umkehren, während Wegi die knapp 5500 m ü.M. erklomm und die nichtexistente Aussicht geniessen durfte. Zwei Stunden später erreichten wir dann den „Tiefpunkt“ unserer Tour auf 3200 m ü.M., wo wir eine skurrile Mondlandschaft besichtigten. Übrigens kostete uns der ganze Tag umgerechnet 12 Franken.

Der gemütliche dritte Tag führte uns - beide zum ersten Mal in unserem Leben – in ein 3D-Kino. Und oh Überraschung (oder ist das zu bös?), die Qualität war hochstehend, und auch ohne Untertitel verstanden wir jede Menge von Tintins Abenteuer.

Aussicht von El Alto auf den Kessel von La Paz
Centro
Repräsentativ
"Hexenmarkt": Die Lama-Föten werden als Glücksbringer in zu bauende Häuser verbetoniert. Von Zeit zu Zeit verschwinden in La Paz offenbar auch obdachlose Alkoholiker oder Bettler zu diesem Zweck (voller Ernst!)
Unser Souvenir-Packet ist bald unterwegs, unsere Wirbelsäulen freuts
Man beachte bitte insbesondere das wichtige Detail unterhalb des Nr.-Schildes
Leider unser einziges Bild eines Schuhputzers. Da sie alle gleich aussehen (Maske) und immer aus dem Nichts auftauchen, sind sie ziemlich unfassbar, weshalb das Foto durchaus passend scheint
Ein Geschenk an unsere Nasen: Neue Schuhe für ca. 20 Franken. Das alte Paar blickt nun irgendwo in La Paz an den Füssen eines Bettlers seinem definitiven Ende entgegen (der alte Mann hatte grosse Freude)
Tim und sein Struppi in 3D und spanisch
So weit rauf mussten wir für das Bitzeli Schnee... Die Hütte ist más o menos noch in Betrieb, es gab jedenfalls ein Cheminee-Feuer
Eskima
Eskimo
Brachte uns bis auf 5200 m ü.M. und wieder runter, ohne Ketten oder 4WD. Aber so ganz wohl fühlten wir uns ehrlich gesagt nicht...
Valle de la Luna bei La Paz

Copacabana

Copacabana ist das Tor zum Titicacasee und gleichzeitig laufen dort fast so viele Hippies herum wie in Woodstock (für Eingeweihte, Montañitas ist geradezu spiessig dagegen). Da wir derart auffielen, verdrückten wir uns auf eigene Faust auf die Isla del Sol, wo wir in einzigartiger Umgebung zu Fuss die ganze Insel durchquerten und fast jeden Hoger bestiegen, um die tolle Aussicht zu gniessen. Wegi nahm zudem ein abkühlendes Bad im See. Auf der Insel befinden sich drei (mittlerweile ziemlich touristische) Gemeinden, welche allerdings die Wanderwege hervorragend unterhalten. Es versteht sich, dass man als Benützer zur Kasse gebeten wird (ganze 2 Franken 50 für die gesamte Insel). Das steht erstens in jedem Reiseführer und zweitens erklären einem die "Kassierer" bei den jeweiligen Zahlstellen in sehr freundlicher Art und Weise, für was man die Gebühr zu entrichten hat. Vor diesem Hintergrund hatten wir überhaupt kein Verständnis für jene Touristen, die den wirklich netten ZeitgenossInnen bei den Zahlstellen in ihrer Muttersprache Flüche um die Ohren schmetterten, zumal wir in diesem speziellen Fall wissen, dass derjenige ein paar Wochen zuvor in Chile über 150 Franken für eine einfache Vulkanbesteigung an irgendeine Agentur hinblätterte. Henu...

Einen Tag später zurück in Copacabana wurden wir unseres wohlverdienten Schlafes beraubt, da im ganzen Dorf eine grande fiesta stattfand. Betreffend Betrunkene (vor allem ältere Damen und Herren) ist unsere Fasnacht vergleichsweise ein Kindergeburtstag. Irgendwie stimmte uns das traurig, zumal wir diese Erfahrung in Bolivien des Öfteren machten. Der einheimische Film „Cementerio de los Elefantes“ zeigt eine ganz spezielle Seite dieser Tragödie.

Leider traurige Regelmässigkeit an Boliviens fiestas: Ein Haufen Männer arriba de la pelota (chilenisch für betrunken) am hellichten Tag. Nicht selten war laufen oder gar stehen nicht mehr möglich
Copacabana
Hier gehts noch etwas ländlicher zu und her, ein fröhliches Neben- und Miteinander
Z Tanz
Betrunkenes Trio (auch die Fraune schauten tieeeeeef in la botella)
Vom Hostel aus
Auf dem Schiff
Repräsentativ II
Isla del Sol


Baden im Lago Titicaca
Insel-Cruiser
Vom Hostel aus


Cusco

Nach einem sehr langen und ungemütlichen Tag im Bus erreichten wir Cusco, wer kennt es nicht? Ganz spontan kehrten wir der wunderschönen Kolonialstadt bererits einen Tag später (vorübergehend) wieder den Rücken und fuhren weiter nach Pisaq, einer schönen kleinen Stadt im Valle Sagrado mit einem berühmten Markt und Inkaruinen in luftiger Höhe. Nach einer erholsamen Nacht kämpften wir uns zu Fuss den Berg hoch und wurden von einer grossen Anlage mit gut erhaltenen Ruinen überrascht. Übrigens konnten wir das (sehr teure) Eintrittsbillet auf den halben Preis heruntermärten; wir märten halt dann, wenn es sich wirklich lohnt ; ). Am gleichen Tag gings weiter über Ollantaytambo (auch dort spurteten wir vor dem Imbiss noch zu einer Ruine hoch) nach Aguas Calientes, das am nächsten Morgen um 05:15 Ausgangspunkt unseres Machu Picchu-Ausflugs sein sollte. Für Wegi wars bereits das 3. Mal, aber die folgenden Umstände führten dazu, dass es auch heuer ein einzigartiges Erlebnis wurde:
  • Es regnete, nein schüttete mit ein paar kleineren Unterbrüchen den ganzen Tag. Unsere ansonsten sehr gute und funktionelle Kleidung hielt dem konstanten Wassereintrag irgendeinmal nicht mehr stand, wer kanns ihr verdenken. Wären wir fähig, auch nur annähernd so logisch zu denken wie Justus Jonas, hätten wir dieses Wetter voraussehen müssen: 2006 (Besuch mit Mimi, Valerie und JJ) herrschten beste Verhältnisse, 2008 (Tucky, Adb, Johnny) regnete es am Morgen, der Nachmittag war allerdings wunderbar sonnig. Klar musste es dieses Mal regnen von A-Z. Spass beiseite, Machu Picchu hat auch bei Hundewetter einen ganz speziellen Reiz.
  • Wir schafften es tatsächlich noch vor der Öffnung der Ruinen (06:00) nach oben und betraten das Gelände ca. als 6. und 7. Besucher.
  • Anstatt den nur noch im Rahmen einer geführten Tour besteigbaren Huayna Picchu, erklommen wir in grossem Kampf den „kleinen Bruder“, den Montaña Machu Picchu. Von wegen kleiner Bruder: Er ist viel höher (über 3000 m ü.M.) und wir benötigten allein für den Aufstieg mehr als eine Stunde. Wäre da  nicht der verflixt und zugenähte Nebel zwischen den Hügeln gehangen, hätte man wohl die spektakuläreste Aussicht auf die ganze Umgebung gehabt, aber eben...
  • Seit Machu Picchu zu den Weltwundern gehört, ist dessen Besuch viel reglementierter, was allerding angesichts der Masse an Besuchern zur Erhaltung dieses mystischen Spektakels wohl auch tatsächlich nötig sein dürfte. Leider ist das schon immer teure Aguas Calientes nun zu einer einzigen Touristenfalle geworden. Wir konntens trotzdem verkraften, fanden wir doch eine einigermassen bezahlbare Unterkunft waren auch schon bald wieder weg.
  • Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Rudel sehr lustiger Chilenen in der Hostellobby. Um 18:45 sollte uns der Zug zurück nach Ollantaytambo bringen, von wo aus Busse nach Cusco fahren. Geplante Ankunft: 22:00. Tatsächliche Ankunft: 04:45 am darauffolgenden Morgen. Daraus bastelt sich ganz einfach das nächste Rätsel: Was ist passiert? (kleiner Tipp: Findige Ladeninhaber hats gefreut. Vgl. auch die beiden untersten Bilder).
Die restlichen Tage in Cusco verbrachten wir insbesondere mit Trocknen unserer Kleider sowie mit Schlendern durch die schöne koloniale Altstadt.

Hallo Peru!
Plaza de Armas
Repräsentativ III
Von der Hostelterrasse

Blick auf Pisaq und das Valle Sagrado
Inkas wären in der Leichtathletik der antiken Welt wohl die Kenianer gewesen

Pisaq
Wieder einmal ein Markt...
Die Kappe unten rechts ist eindeutig falsch plaziert und gehört ganz nach oben!
Hat wohl schon manchem Hobby-Fotographen als Sujet gedient - Wegi auch schon zum dritten Mal
Ollantaytambo
Auf dem steinigen und steilen Weg auf den Montaña Machu Picchu
Machu Picchu hat mehr zu bieten als nur Steinklötze, Touristen und llamas
Sackgasse

So sahs meisten aus. Zwischen diesem Bild und dem oberen liegen vielleicht 40 Sekunden

Immerhin sahen wir umwerfend aus...:)
Aguas Calientes mit Betonung auf "Aguas"
Zeitvertreib im Zug
Jeder auf seine Weise, wir tranken immerhin nur cervezita

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