Sonntag, 15. April 2012

(Ver-)laufen

Mit ungekannter Wucht empfing uns nach den Minustemperaturen im Nachtbus (wir trugen Jacke und Schal, andere sogar Kappen) die Hitzewand von Cartagena. Veras Freude auf etwas wärmere Tage wurde dadurch nicht unwesentlich geschmälert, insbesondere auch, da es hier in der Nacht nicht abkühlt. O-Ton Wegi: Man kann es ihr halt schon schwer rechtmachen : ). Schweissgebadet wurde zum Dauerzustand und die Klimaanlagen in Supermärkten und Läden ein Ort der Entspannung und des Verweilens.

Das hochgelobte Cartagena ist tatsächlich schön anzusehen (Altstadt), zur Besichtigung reichen unserers Erachtens zwei Tage aber längstens aus. Zudem liegt stets ein leicht fauliger Geruch in der Luft. Wir waren also nicht traurig, nach zwei Nächten weiterdüsen zu können (da wussten wir noch nicht, was ihr erst weiter unten erfahrt).

Wir waren noch nie in den U S and A, aber so stellen wir es uns vor
Es gäbe also noch freie Immobilien in Cartagena





Sehr passend, wir waren aber nicht drinnen, uns fehlte schlicht die Kleidung (und wohl auch das nötige Kleingeld)

Von Santa Marta aus (insgesamt verbrachten wir hier 3 Nächte, ohne mehr als das Hostel und den Supermarkt zu sehen, haben aber überhaupt kein schlechtes Gewissen deswegen) starteten wir unsere 5-tägige Wanderung zur Ciudad Perdida, eine Ruinenstätte mitten im bergigen Dschungel. Auch wenn die Wanderung an sich nicht sehr anspruchsvoll war (3-6 Stunden pro Tag), schlauchte uns die Expedition doch ziemlich, insbesondere wegen dem hyperfeuchten und heissen Klima. Glücklicherweise wurden wir mit genügend Wasser und Bademöglichkeiten versorgt. Als Nachtlager dienten Hängematten oder brettartige Matratzen in ziemlich rustikalen Camps. Gemäss Lonely Planet ist der Weg das Ziel und die Ciudad Perdida selber eher eine Enttäuschung. Chabis! Natürlich war die Wanderung an sich ein abenteuerliches Highlight, aber die unzähligen überwucherten Treppen und Mauern umgeben von dichtbewaldeten Hügeln haben uns ebenfalls tief in den Bann gezogen.

Dieser Ausflug reiht sich ganz oben auf unserer Hitliste ein, natürlich auch dank den super angenehmen Gspänli.
 
Berühmtester Sohn Santa Marta's

Vera lacht, ihr Rücken weint
Auch der Schotte hat geschwitzt, eigentlich war es ziemlich gefährlich hinter ihm zu gehen, weil er einen reissenden Bach hinter sich herzog

8 Meter Felsen für die Jungs

Tarzani
Nach 6 wurde nur noch bei Kerzenschein "gegamblet"
Aufstehen um 5:30
Indigenes Dorf...
...und seine Kinder

Bis vor Kurzem musste man durchs Wasser waten, einige hätten das der "Brücke" wohl vorgezogen


Die Brücken sind noch nicht überall fertiggewachsen, was den Abenteuerwert erhöht
Sorry, aber noch selten haben wir einen hässlicheren Vogel gesehen
Dort beginnt sie, die laaaaaange Treppe zur Ciudad Perdida
Es war so schwül, dass sich auch die Schmetterlinge abkühlen mussten
Das war noch ganz unten...
...und das ganz oben, 1200 Tritte (oder mehr) später





Unsere "hood", wieso dass wir dort oben einen Lolli erhielten, weiss wohl nicht mal der guía

Eigentlich war Wegi froh, für einmal keinen Rucksack tragen zu müssen, aber Osneider (ja das ist ein Name) kümmerte das wenig
Shithead (übersetzt: Scheisskopf??)


Unser Freund, Helfer und Spanischlehrer Osneider, hatte Ferien (Semana Santa) und unterstützte den Koch, um ein paar Batzeli für die Ausbildung zu verdienen
Auch nimmermüde "Teenies" (19 und 20) haben Grenzen

Eigentlich zur Erholung begaben wir uns nach den Strapazen der Ciudad Perdida in den Tayrona Park, der mit wunderschönen unberührten Stränden aufwartete. Doch auch hier nächtigten wir in Hängematten (Vera nicht alleine, gemäss den vielen Stichen im Gesicht am nächsten Morgen war da mindestens noch ein zusätzlicher Gast) und wanderten über 3 Stunden täglich in brütender Hitze. Vielleicht sagte uns da unser Unterbewusstsein schon, was wir ein paar Tage später entgültig feststellten: Unsere potentiellen Kinder müssen a) selber auf die Strandferien-Idee kommen und b) sehr überzeugende Argumente liefern : ).





Teilte mit uns den ganzen Strand
Sand oder Getier, es beisst...




Nach der Rückkehr aus dem Tayrona Park begannen wir uns geistig auf unseren Abschied von Südamerika vorzubereiten. Wir hatten schon Plätze auf einer Segeljacht gebucht, die uns in fünf Tagen nach Panamá bringen sollte (neben Fliegen zurzeit eigentlich die einzig sinnvolle Möglichkeit und inetwa gleich teuer). Wir hättens wissen sollen, Transport auf Wasser kommt bei uns nie so wie geplant. Das österreichische Segelboot schlägt sich mit Visaproblemen herum und kann erst viel später einwassern. So blieb uns nichts anderes übrig, als eine Alternative zu suchen. Fündig wurden wir bei einem französischen Kapitän, der allerdings drei Tage später lostuckert. So sahen wir uns "gezwungen", ganze fünf weitere Tage in Cartagena zu verbringen. Wir überbrückten diese Zeit mit dem Besuch eines weiteren Hippiestrands, Playa Blanca. Weisser Sand, Piña Colada und türkisfarbenes Wasser mögen für die meisten wie ein Traum tönen. Für uns wars ok (wirklich), aber gerne bestiegen wir am nächsten Tag die Fähre zurück nach Cartagena (vielleicht auch verstärkt durch die aufsässigen Strandverkäufer und Masseusen).

Nun lassen wir die zwei letzten Tage in Cartagena und somit auch in Südamerika mit Organisatorischem und Nichtstun ausklingen. Zu holen gibt es sowieso nichts, denn die Stadt ist aufgrund des hier stattfindenden Cumbre de las Américas (Zusammenkunft fast aller hiesigen Staatschefs) hermetisch abgeriegelt. Etwas grotesk präsentiert sich dieses Klassentreffen schon: Da kommt Obama mit einer Armee von Sicherheitsleuten sowie eigenen Fahrzeugen und bucht das komplette Hilton. Der hiesige Flughafen wird geschlossen und die Linienflüge umgeleitet. Gleichzeitig verbringt Hillary Clinton ziemlich unauffällig ihren Samstagabend in einer einfachen Bar ganz in der Nähe unseres Hostels, wo ein jeder ein und aus gehen kann, und dies notabene nicht im allerbesten Viertel (ein Dank geht an unsere Informanten aus Östeereech).

Für alle die nicht lesen: Das ist jetzt ein anderer Strand als der obige
Aufgewacht, einmal gedreht und schon hatten wir diesen Ausblick
DER Strandtourist, im Sessel mit Piña Colada (12 Uhr war aber schon vorbei, wenn auch knapp, aber so wurden Wegis Prinzipien nicht verletzt)


Ein erstes Abschlussrätsel (nur noch ein Monat trennt uns von der Schweiz): Was denkt Ihr, waren in den vergangenen gut 6 Monaten unsere drei absoluten Highlights?

1 Kommentar:

  1. ganz klar:
    1 Highlight: Bayern-Sieg 2-1 gegen Real
    2. Highlight: Boca, Boca, Boca
    3. Highlight: Cotopaxi

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